MitarbeitergewinnungGesundheitswesen

Wie finde ich eine MFA für meine Arztpraxis?

Von Max Schneider17. August 2026ca. 9 Min. Lesezeitmfa finden arztpraxis
Wie finde ich eine MFA für meine Arztpraxis?

Kurzantwort

Eine MFA findest du heute nicht mehr über eine klassische Anzeige allein – der Markt ist leergefegt: Schon Anfang 2022 kamen nur noch 75 Medizinische Fachangestellte auf 100 offene Stellen. Gewonnen wird auf zwei Ebenen: Du erreichst die Wechselwilligen dort, wo sie sind (Social Recruiting), und du wirst als Arbeitgeber attraktiver als die Klinik nebenan – über faire, tariforientierte Bezahlung, Teilzeitmodelle und echte Wertschätzung. Dazu ein schneller Prozess mit Reaktion unter 24 Stunden.

MFA wandern oft in Kliniken ab – kleine Praxen gewinnen mit Nähe, Wertschätzung und Sichtbarkeit.

Wie groß ist der MFA-Mangel wirklich?

Wenn du das Gefühl hast, dass sich auf deine Ausschreibung kaum noch jemand meldet, täuscht dich das nicht. Medizinische Fachangestellte gehören laut Auswertung der Bundesagentur für Arbeit klar zu den Engpassberufen – es gibt schlicht mehr offene Stellen als verfügbare Fachkräfte.

Wie schnell sich die Lage gedreht hat, zeigt eine Zahl deutlich: Im Jahr 2021 kamen noch 102 Medizinische Fachangestellte auf 100 offene Stellen, im Januar 2022 waren es nur noch 75, laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Rechnerisch bleiben also offene Stellen übrig, für die es gar keine Bewerberinnen mehr gibt. Eine Wartebank mit passenden Kandidatinnen existiert nicht.

75 : 100nur noch 75 Medizinische Fachangestellte je 100 offene Stellen im Januar 2022 – nach 102 im Jahr 2021, laut Bundesagentur für Arbeit

Die Gründe dahinter sind bekannt – und sie sagen dir gleichzeitig, wo dein Hebel liegt. Laut einer KV-Auswertung nennen 68 Prozent der KV-Mitglieder die Abwanderung in große Kliniken als Ursache (dort wird oft besser bezahlt als in der kleinen Praxis auf dem Land), und 55 Prozent sehen einen Grund darin, dass der Beruf der MFA zu wenig wertgeschätzt wird. Anders gesagt: Bezahlung und Wertschätzung sind die beiden Stellschrauben, an denen du drehen kannst.

Aktiv Suchende vs. Wechselwillige: wo du wirklich suchen musst

Der wichtigste Denkfehler beim Recruiting ist, nur die zu adressieren, die gerade aktiv suchen. Der Markt besteht aus drei Gruppen:

  • Aktiv Suchende: lesen Jobbörsen – in einem Engpassberuf eine kleine Minderheit, um die alle Praxen gleichzeitig konkurrieren.
  • Wechselwillige: unzufrieden genug, um bei einem guten Angebot zu wechseln – aber sie durchsuchen keine Stellenportale. Sie sind abends auf Instagram, Facebook und TikTok. Das ist die größte erreichbare Gruppe.
  • Zufriedene: kaum erreichbar außer über Empfehlungen und eine sichtbare Arbeitgebermarke.

Klassische Anzeigen zielen nur auf Gruppe eins. Der Hebel liegt darin, Gruppe zwei zu erreichen – und dafür brauchst du andere Kanäle.

Der Engpass liegt nicht daran, dass es keine MFA gibt – sondern daran, dass die Wechselwilligen dich nicht kennen.

Alle Wege im Überblick

Anzeige & JobbörseEmpfehlung & AusbildungSocial Recruiting
KanälePraxis-Aushang, Indeed, StepStone, Agentur für ArbeitTeam-Empfehlung, Quereinstieg, eigene AusbildungInstagram, Facebook, TikTok + gezielte Ads
Erreichtnur aktiv Suchendeverdeckten Markt, hohe Passungauch Wechselwillige (größte Gruppe)
Aufbau Arbeitgebermarkeneinindirektja – jeder Beitrag zahlt ein
Planbarkeitgering bei Engpassberufengering (Zufall / Vorlauf nötig)hoch – skalierbar über Budget
StärkePflichtprogramm für aktiv Suchendebeste kulturelle Passung, günstigerreicht die, die nie gesucht hätten

Jeder Weg hat seinen Platz. Empfehlungen liefern die beste Passung – mach den Kanal aktiv mit einer festen Prämie und einem Ein-Satz-Prozess ("Schick mir die Nummer, ich übernehme den Rest"). Eigene Ausbildung und Quereinstieg sind der nachhaltigste Weg: In Bremen und Bremerhaven sind laut derselben Auswertung bereits 63 Prozent der Praxen dazu übergegangen, Quereinsteigerinnen einzustellen, 80 Prozent bilden selbst aus. Und die Jobbörse bleibt Pflichtprogramm für die wenigen aktiv Suchenden. Der eigentliche Hebel in einem leeren Markt ist aber der dritte.

Der Hebel: Social Recruiting plus Arbeitgeberattraktivität

Weil die größte Gruppe abends auf Social Media unterwegs ist, musst du genau dort sichtbar sein. Social Recruiting kombiniert organische Einblicke in euren Praxisalltag (ein echtes, gut gelauntes Team schlägt jedes Stockfoto) mit gezielten Anzeigen, die MFA in deiner Region planbar erreichen. Wie das im Detail funktioniert – von den Inhalten über die Zielgruppen bis zur Anzeigenmechanik – haben wir in unserem Leitfaden Social-Media-Recruiting: Wie funktioniert das? beschrieben.

Sichtbarkeit allein reicht aber nicht. Wenn 68 Prozent der Abwanderung an der Bezahlung und 55 Prozent an fehlender Wertschätzung liegen, dann ist deine Arbeitgeberattraktivität kein weiches Thema, sondern der harte Kern deiner Anzeige. Diese vier Bausteine bringen aus Sichtbarkeit tatsächlich Bewerbungen:

  1. 1

    Baustein 1: Faire, tariforientierte Bezahlung sichtbar machen

    MFA vergleichen. Orientiere dich am MFA-Gehaltstarifvertrag und benenne ein Gehalt oder eine Spanne – Anzeigen mit Gehaltsangabe beantworten die häufigste stille Frage sofort. Wer bei der Bezahlung nicht mit der Klinik konkurrieren kann, muss an anderer Stelle klar besser sein.

  2. 2

    Baustein 2: Wertschätzung und Arbeitszeit als echtes Argument

    Genau das, was in Kliniken oft fehlt, ist deine Chance: ein Team, das sich den Rücken freihält, planbare Dienste, verlässliche Pausen, Teilzeit- und flexible Modelle, echte Mitsprache. In einer Branche, in der sich viele nicht wertgeschätzt fühlen, ist gelebte Wertschätzung fast ein Alleinstellungsmerkmal.

  3. 3

    Baustein 3: Bewerbungshürde radikal senken

    Kurzbewerbung per Handy in zwei Minuten: Name, Kontakt, zwei Fragen. Kein Anschreiben, kein Lebenslauf-Upload als Pflicht. Jede zusätzliche Hürde filtert zuerst die Wechselwilligen raus, die nicht wechseln müssen – also genau die, die du gewinnen willst.

  4. 4

    Baustein 4: In unter 24 Stunden reagieren

    MFA in Nachfrage-Regionen haben mehrere Optionen gleichzeitig. Wer erst nach Tagen antwortet, führt Gespräche mit denen, die übrig bleiben. Persönliche Antwort am selben oder nächsten Tag, zeitnaher Termin, maximal zwei Schritte bis zur Entscheidung.

💡  Tipp

Gehalt ist wichtig, aber selten allein entscheidend. Wenn du nicht das höchste Gehalt zahlen kannst, gewinne über die Faktoren, die eine kleine Praxis besser kann als die Klinik: Nähe, Verlässlichkeit, planbare Arbeitszeiten und ein Team, in dem man nicht nur eine Nummer ist.

Das Gehalt einordnen

Damit du weißt, worüber du redest: Berufseinsteigerinnen verdienen als MFA laut Tarifübersicht rund 2.400 Euro brutto im Monat. Je nach Tätigkeitsgruppe (TG I–VI), Qualifikation und Berufsjahren reicht die Spanne bis etwa 4.896 Euro. Grundlage ist der Gehaltstarifvertrag für MFA, der zum 1. Januar 2025 um 3,85 Prozent angehoben wurde, dokumentiert von der Bundesärztekammer.

Einstiegca. 2.400 €
Mittlere Tätigkeitsgruppeca. 2.940 €
Oberste Stufebis ca. 4.896 €
MFA-Bruttogehalt pro Monat: Einstieg, mittlere Tätigkeitsgruppe und oberste Stufe laut MFA-Tarifübersicht. Wer sich sichtbar am Tarif orientiert, nimmt Bewerberinnen die häufigste Unsicherheit.

Du musst nicht in jedem Punkt Spitze sein. Aber bei mindestens einem Faktor – Gehalt, Arbeitszeitmodell oder Entwicklungsperspektive – solltest du klar über dem lokalen Schnitt liegen, sonst gewinnt der Arbeitgeber, der es tut.

Warum kleine Praxen einen unterschätzten Vorteil haben

Es klingt paradox, aber im Wettbewerb um MFA sind kleine Praxen nicht automatisch im Nachteil – im Gegenteil. Die großen Häuser gewinnen über Gehalt und Struktur, verlieren aber genau dort, wo viele MFA am meisten leiden: Anonymität, starre Abläufe, das Gefühl, austauschbar zu sein.

Was du als kleine oder mittelgroße Praxis dagegensetzen kannst, ist echt und glaubwürdig: ein Team, in dem man sich mit Namen kennt, direkte Absprachen ohne drei Hierarchieebenen, planbare Dienste ohne Nacht- und Wochenendrhythmus, und die Möglichkeit, wirklich mitzugestalten. Das ist kein Trostpreis – für viele MFA ist es der eigentliche Grund zu wechseln. Der Fehler ist nur, diese Stärken nicht zu zeigen. Genau hier setzt Social Recruiting an: Ein kurzes, ehrliches Video, in dem dein Team einen normalen Praxistag zeigt, transportiert Nähe und Atmosphäre besser als jede Aufzählung von Benefits.

Die häufigsten Fehler bei der MFA-Suche

  • Nur die Anzeige wiederholen: dieselbe Ausschreibung auf demselben Portal erneut schalten und auf ein anderes Ergebnis hoffen. Wenn ein Kanal zweimal leer lief, liegt es am Kanal oder an der Botschaft – nicht am Timing.
  • Kein Gehalt nennen: MFA vergleichen genau. Eine Anzeige ohne Gehaltsangabe wirkt in einem Beruf, in dem Bezahlung ein offener Streitpunkt ist, wie ein Warnsignal.
  • Über die Praxis statt über den Alltag reden: "Wir sind ein modernes MVZ" beantwortet keine einzige Frage einer Bewerberin. Wie sieht Dienstag um 10 Uhr bei euch aus, wer fängt Stress ab, wie läuft die Einarbeitung – das zählt.
  • Zu langsam reagieren: Wer eine Woche für die erste Antwort braucht, verliert die MFA mit mehreren Angeboten. Reaktionszeit ist ein Wettbewerbsvorteil, der nichts kostet.
  • Bindung vergessen: Wer eine MFA gewinnt, aber die Wertschätzung aus der Anzeige nicht im Alltag einlöst, rekrutiert bald wieder – gegen dasselbe Loch.

Was du jetzt konkret tun kannst

Die Grundlogik ist dieselbe wie bei jeder Fachkraft im Engpass – wenn du den größeren Rahmen sehen willst, lohnt unser Leitfaden Wie finde ich neue Mitarbeiter? mit dem kompletten System. Für deine MFA-Suche heißt das konkret:

  1. Arbeitgeber-Versprechen schriftlich klären: Warum sollte eine MFA ausgerechnet zu dir wechseln? Ein ehrlicher Satz, kein Floskel-Katalog.
  2. Sichtbar werden, wo MFA sind: organische Einblicke plus gezielte Anzeigen – ein echtes Video mit deinem Team als stärkstes Asset.
  3. Prozess entschlacken: Kurzbewerbung per Handy, Antwort unter 24 Stunden, kurze Wege bis zum Termin.
  4. Bindung mitdenken: Die günstigste Stelle ist die, die gar nicht frei wird – Wertschätzung, Feedback und die eingelösten Versprechen aus Punkt 1 verhindern die nächste Kündigung.

Wenn du wissen willst, wie eine planbare MFA-Gewinnung für deine Praxis aussieht – mit welchem Kanal-Mix, welcher Botschaft und welchem Budget – lass uns kurz sprechen.

Häufige Fragen

Max Schneider, Gründer von Schneider Studios

Max Schneider

Gründer · Schneider Studios

Hilft Physiopraxen, Arztpraxen, Fitnessstudios und Gesundheitsunternehmen, mit Recruiting- und Content-Systemen planbar Mitarbeiter und Kunden zu gewinnen.

Verwandte Artikel

Mitarbeitergewinnung

Wie finde ich Physiotherapeuten als Mitarbeiter?

Physiotherapeuten als Mitarbeiter finden: alle Wege im Vergleich,…

Mitarbeitergewinnung

Employer Branding Physiopraxis: Top-Arbeitgeber werden

Wie du deine Physiopraxis als attraktiven Arbeitgeber positionierst,…

Mitarbeitergewinnung

Fachkräftemangel Physiotherapie 2026: 5 Strategien

Warum Physiotherapeuten so schwer zu finden sind und welche 5…

← Alle Ratgeber-Artikel