MitarbeitergewinnungPhysiopraxisGesundheitswesen

Ergotherapeuten finden: So besetzt du die Stelle trotz Engpass

Von Max Schneider21. August 2026ca. 9 Min. Lesezeitergotherapeuten finden
Ergotherapeuten finden: So besetzt du die Stelle trotz Engpass

Kurzantwort

Ergotherapeuten zu finden ist in Deutschland so schwer wie Physiotherapeuten zu finden: Beide Berufe erreichen in der Fachkräfteengpassanalyse 2024 der Bundesagentur für Arbeit 2,7 von 3 Engpasspunkten. Eine Stellenanzeige allein erreicht nur die wenigen, die gerade aktiv suchen. Wer eine Stelle besetzen will, muss die Ergotherapeuten erreichen, die bereits arbeiten und offen für einen Wechsel wären – und ihnen zeigen, was in der eigenen Praxis anders ist: Behandlungszeit, fachlicher Schwerpunkt, planbare Hausbesuche, ein Team, das sich austauscht. Dieser Artikel zeigt die Zahlen, die Wechselgründe, die sieben Wege, die für Ergotherapiepraxen funktionieren, und den Aufbau einer Anzeige, die nicht ins Leere läuft.

Ergotherapeuten finden heißt: nicht auf die wenigen Suchenden warten, sondern die vielen Offenen erreichen – mit einem Angebot, das sie nicht übersehen können.

Die Ausgangslage: ein Engpassberuf wie die Physiotherapie

2,7 von 3Engpasspunkten erreicht die Ergotherapie in der Fachkräfteengpassanalyse 2024 der Bundesagentur für Arbeit – derselbe Wert wie die Physiotherapie und mehr als die Pflegeberufe mit 2,3

Die Bundesagentur für Arbeit bewertet jährlich rund 1.200 Berufe anhand von sechs Engpassindikatoren – unter anderem der Zeit, die gemeldete Stellen unbesetzt bleiben, der berufsspezifischen Arbeitslosenquote und dem Verhältnis von Arbeitslosen zu offenen Stellen. Die Ergotherapie steht in der Auswertung 2024 mit 2,7 von 3 Punkten auf einer Stufe mit der Physiotherapie und über den Pflegeberufen. Übersetzt heißt das: Auf eine offene Stelle kommen deutlich weniger arbeitsuchende Ergotherapeuten, als Praxen bräuchten.

Für die einzelne Praxis hat das zwei Konsequenzen. Erstens: Eine Stellenanzeige auf einer Jobbörse konkurriert mit vielen anderen um die wenigen, die gerade aktiv suchen – und bleibt deshalb oft ohne Rückmeldung. Zweitens: Die Ergotherapeuten, die du brauchst, gibt es. Sie arbeiten nur gerade woanders – in der Klinik, in der Reha, in der Nachbarpraxis, in der Frühförderstelle – und würden wechseln, wenn sie das passende Angebot sähen. Laut Stepstone Hiring Trends Update 2026 sind 94 Prozent der Beschäftigten grundsätzlich offen für eine berufliche Veränderung. Das Problem ist nicht, dass niemand wechseln will. Das Problem ist, dass diese Menschen deine Anzeige nie sehen.

Was Ergotherapeuten beim Wechsel wirklich suchen

Ergotherapie ist ein Beruf mit hoher fachlicher Identifikation und sehr unterschiedlichen Arbeitsfeldern – wer in der Pädiatrie arbeitet, hat mit der Handtherapie oder der Psychiatrie wenig gemeinsam. Genau das ist der Schlüssel für das Recruiting: Ergotherapeuten wechseln selten wegen eines allgemein „besseren Jobs“, sondern wegen konkreter Rahmenbedingungen, die in ihrem aktuellen Arbeitsfeld fehlen.

Aus unserer Arbeit mit Praxen sind es immer wieder dieselben Punkte:

  • Behandlungszeit statt Takt. Die Frage, wie viele Minuten pro Patient wirklich zur Verfügung stehen und ob Vor- und Nachbereitung eingeplant sind, entscheidet mehr als das Gehalt. Wer hier ehrlich gute Bedingungen bietet, hat das stärkste Argument im Markt.
  • Ein fachlicher Schwerpunkt, der passt. Pädiatrie, Neurologie, Geriatrie, Handtherapie, Psychiatrie – Ergotherapeuten suchen Praxen, in denen ihr Schwerpunkt nicht Nebensache ist. Eine Anzeige, die „alle Bereiche“ verspricht, spricht niemanden gezielt an.
  • Planbare Hausbesuche. Hausbesuche und Einsätze in Einrichtungen gehören in vielen Praxen dazu. Entscheidend ist, ob der Anteil klar geregelt ist, wie die Fahrtzeit vergütet wird und ob es Wahlmöglichkeiten gibt.
  • Fortbildung, die bezahlt und freigestellt wird. Bobath, Handtherapie-Zertifikate, sensorische Integration: Die Fortbildungskultur ist in der Ergotherapie stark ausgeprägt. Budget und Freistellung sind ein echtes Wechselargument – vor allem gegenüber Arbeitgebern, die Fortbildung erwarten, aber nicht bezahlen.
  • Fachlicher Austausch im Team. Gerade in kleinen Praxen ist die Sorge groß, fachlich allein zu sein. Regelmäßige Fallbesprechungen, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Physio- und Logopädie-Kollegen, eine erfahrene Ansprechperson – das sind Argumente, die Kliniken oft besser sichtbar machen als Praxen.
  • Dokumentation und Bürokratie. Heilmittelverordnungen, Berichte, Abrechnung: Wer zeigen kann, dass die Praxis hier entlastet – durch Software, Abläufe oder Verwaltungskräfte –, spricht einen echten Schmerzpunkt an.
Ergotherapeuten vergleichen keine Stellen, sondern Arbeitsbedingungen. Wer seine nicht zeigt, wird nicht verglichen – und damit auch nicht gewählt.

Sieben Wege, Ergotherapeuten zu finden

52 %der Neueinstellungen 2025 kamen laut IAB-Stellenerhebung entscheidend über Online-Wege zustande – Jobbörsen, eigene Homepage und soziale Medien –, persönliche Kontakte waren bei 27 Prozent entscheidend

1. Das eigene Team und seine Ausbildungsjahrgänge

Ergotherapeuten kennen Ergotherapeuten – aus der Schule, aus Fortbildungen, aus früheren Arbeitsstellen. Jede offene Stelle gehört zuerst ins Team: mit einer klaren Bitte, einer Vorlage zum Weiterleiten und einer Prämie, die den Aufwand würdigt. In einem kleinen Markt ist das oft der schnellste Weg zur ersten Bewerbung.

2. Fach-Jobbörsen und Verbandsportale

Die Stellenbörsen der Berufsverbände und fachspezifische Portale erreichen aktiv Suchende im Fach – mit weniger Streuverlust als Indeed oder StepStone. Sie sind Grundabsicherung, nicht Hauptkanal: Sie erreichen nur die, die gerade suchen.

3. Kooperation mit Ergotherapieschulen und Hochschulen

Berufsfachschulen und Studiengänge sind der Ort, an dem die nächsten Jahrgänge sitzen. Praktikumsplätze, Praxisanleitung, Gastvorträge, ein Angebot für Abschlussarbeiten – wer hier präsent ist, wird bekannt, bevor jemand seine erste Stelle sucht. Der Aufwand ist überschaubar, die Wirkung langfristig.

4. Social Recruiting mit echten Einblicken

Der Weg zu den Ergotherapeuten, die nicht suchen. Kurze Videos aus dem Praxisalltag – ein Blick in den Pädiatrie-Raum, das Team bei der Fallbesprechung, ein ehrlicher Satz zur Behandlungszeit – auf Instagram und Facebook, ergänzt um Anzeigen im Umkreis, gezielt nach Beruf und Alter. Wer so angesprochen wird, sieht, wie bei dir gearbeitet wird, bevor er sich meldet, und bewirbt sich über eine Kurzbewerbung in zwei Minuten. Wie das funktioniert, erklärt der Ratgeber Social Recruiting: Definition, Ablauf, Kanäle und Kosten.

5. Fortbildungen und Fachnetzwerke

Wo Ergotherapeuten sich fortbilden, treffen sich die Wechselbereiten. Wer als Praxis Fortbildungen anbietet, Referenten stellt oder regionale Fachtreffen organisiert, wird in der Szene bekannt – und bekommt Bewerbungen von Menschen, die nie eine Anzeige gelesen hätten.

6. Die eigene Karriereseite

Jeder andere Weg endet hier: Wer interessiert ist, googelt die Praxis. Eine Seite je Stelle mit den konkreten Rahmenbedingungen – Behandlungszeit, Schwerpunkt, Hausbesuchsregelung, Fortbildungsbudget, Team –, Fotos der echten Räume und ein Bewerbungsweg, der am Handy funktioniert. Was dort überzeugt, zeigt der Ratgeber Karriereseite Physiopraxis: Diese Inhalte überzeugen – die Logik gilt für Ergotherapiepraxen genauso.

7. Personalvermittler – für die Ausnahme

Für eine einzelne Schlüsselstelle mit seltenem Schwerpunkt kann ein Vermittler helfen, wenn er nachweislich Kontakte in deiner Region hat. Das Honorar liegt laut BDU im Branchenschnitt bei 27,5 Prozent des Jahreszielgehalts je Einstellung – und fällt bei jeder Stelle erneut an. Die Rechnung dazu steht im Ratgeber Headhunter für Physiotherapeuten; sie gilt für die Ergotherapie unverändert.

Die Wege im Vergleich

Jobbörse / VerbandsportalTeam & SchulenSocial RecruitingPersonalvermittler
Erreichtaktiv Suchende – im Engpassberuf wenigeBekanntenkreis, nächste JahrgängeWechselbereite im Umkreis, auch ohne Suchegezielt Einzelpersonen
KostenAnzeigenpreis, erfolgsunabhängigPrämie, Zeit für AnleitungAufbau + Werbebudget, je Stelle sinkendØ 27,5 % des Jahresgehalts, jedes Mal
Planbarkeitgeringmittel, langfristig hochmittel bis hoch, sobald das System läufthoch bei echtem Pool
RolleGrundabsicherungimmer aktivierenHauptkanal für WechselbereiteAusnahme

So baust du die Anzeige, die nicht ins Leere läuft

Egal auf welchem Weg: Irgendwann liest jemand deine Anzeige oder deine Karriereseite. Die meisten Ergotherapie-Anzeigen scheitern an derselben Stelle – sie beschreiben die Praxis, nicht den Unterschied.

  1. 1

    Titel = Beruf + Ort + Schwerpunkt

    „Ergotherapeut (m/w/d) Pädiatrie – Kaiserslautern, Teilzeit oder Vollzeit“ wird gesucht. „Verstärkung für unser Herzensteam“ nicht. Der Schwerpunkt im Titel spricht genau die an, die ihn suchen.

  2. 2

    Die ersten drei Zeilen: drei konkrete Unterschiede

    Behandlungszeit in Minuten, Hausbesuchsregelung, Fortbildungsbudget mit Betrag und Freistellung. Keine Floskeln – Zahlen, die man mit dem aktuellen Arbeitgeber vergleichen kann.

  3. 3

    Gehaltsspanne und Arbeitszeitmodell nennen

    Fehlende Gehaltsangaben sind einer der häufigsten Abbruchgründe. Eine Spanne reicht. Dazu Stundenzahl, Arbeitstage, Regelung für Abend- und Randzeiten.

  4. 4

    Das Team zeigen

    Wer behandelt hier, mit welchen Schwerpunkten, wie läuft der fachliche Austausch? Ein Foto des echten Teams und zwei Sätze zur Fallbesprechung sagen mehr als „kollegiales Umfeld“.

  5. 5

    Ehrlich sagen, was die Stelle verlangt

    Hausbesuche an zwei Tagen, Dokumentation in der Praxissoftware, gelegentlich Einsätze im Heim: Wer das klar benennt, bekommt weniger, aber passendere Bewerbungen.

  6. 6

    Kurzbewerbung statt Bewerbungsmappe

    Name, Telefonnummer, Schwerpunkt, frühester Starttermin – mehr braucht es nicht für ein erstes Gespräch. Lebenslauf und Zeugnisse kommen danach. Und: Rückruf innerhalb eines Tages.

💡  Tipp

Wenn du nicht weißt, was deine Praxis konkret anders macht, frag dein Team: „Warum seid ihr hier und nicht in der Klinik?“ Die Antworten sind fast immer besser als jede Formulierung, die man sich am Schreibtisch ausdenkt – und sie sind die Basis für Anzeige, Karriereseite und jedes Video.

Interdisziplinäre Praxen: Ergotherapie als Teil des Teams

Viele Ergotherapeuten arbeiten in Praxen, die auch Physiotherapie oder Logopädie anbieten. Das ist für das Recruiting ein Vorteil: Interdisziplinärer Austausch ist eines der stärksten Argumente gegenüber der reinen Ergotherapiepraxis – und gegenüber Kliniken, in denen die Ergotherapie oft eine kleine Abteilung ist. Wer eine Physiopraxis um Ergotherapie erweitert oder umgekehrt, sollte genau das sichtbar machen: gemeinsame Fallbesprechungen, kurze Wege zwischen den Disziplinen, Patienten, die in einem Haus versorgt werden.

Die Mechanik der Mitarbeitergewinnung ist dabei für alle Therapieberufe dieselbe; die Unterschiede liegen in Schwerpunkten und Wechselgründen. Für Physiotherapeuten haben wir sie im Ratgeber Physiotherapeuten finden: alle Wege für deine Praxis beschrieben, den Gesamtüberblick über alle Kanäle gibt der Ratgeber Bewerber finden: alle Wege im Vergleich.

Quellen

Häufige Fragen

Max Schneider, Gründer von Schneider Studios

Max Schneider

Gründer · Schneider Studios

Hilft Physiopraxen, Arztpraxen, Fitnessstudios und Gesundheitsunternehmen, mit Recruiting- und Content-Systemen planbar Mitarbeiter und Kunden zu gewinnen.

Verwandte Artikel

Mitarbeitergewinnung

Arztpraxis als attraktiver Arbeitgeber: was MFA wirklich hält

Wie eine Arztpraxis zum attraktiven Arbeitgeber wird: was MFA und ZFA…

Mitarbeitergewinnung

Azubis und Quereinsteiger gewinnen: der langfristige Weg

Azubis und Quereinsteiger gewinnen: BIBB-Zahlen, was junge Menschen…

Mitarbeitergewinnung

Bewerber finden: alle Wege im Vergleich (und was wirklich zieht)

Wo du Bewerber findest, wenn Stellenanzeigen nicht reichen: 9 Wege…

← Alle Ratgeber-Artikel