Kurzantwort
Social-Media-Anzeigen und Google Ads sind keine Konkurrenten, sondern zwei Werkzeuge für zwei Gruppen: Google Ads erreichen Menschen, die jetzt suchen – kaufbereit, aber wenige und umkämpft. Social-Media-Anzeigen erreichen Menschen, die noch nicht suchen – viele, günstig je Einblendung, aber mit längerem Weg. Laut BrightLocal landen bei lokalen Google-Suchen 44 Prozent der Klicks im Local Pack, laut ARD/ZDF-Medienstudie nutzen 63 Prozent der Menschen wöchentlich soziale Netzwerke. Dieser Vergleich zeigt, wen beide Kanäle erreichen, was sie kosten, wann welcher für Praxen und Studios passt – und warum die Antwort meist lautet: erst die Grundlagen, dann beides, nacheinander.
Zwei Kanäle, zwei Momente
Der Unterschied zwischen beiden Kanälen ist kein technischer, sondern ein menschlicher: Wann trifft die Anzeige jemanden?
- Google Ads treffen den Suchmoment. Jemand tippt „Physiotherapie Kaiserslautern Termin“ oder „Fitnessstudio Probetraining“ ein – und sieht ganz oben Anzeigen, darunter das Local Pack mit drei Unternehmensprofilen, darunter die organischen Treffer. Die Person will jetzt etwas. Sie ist die kaufbereiteste Zielgruppe, die es gibt – und die kleinste, weil zu jedem Zeitpunkt nur wenige aktiv suchen.
- Social-Media-Anzeigen treffen den Scroll-Moment. Jemand sieht zwischen Freunden und Reels ein Video aus deiner Praxis. Die Person sucht nichts. Aber sie merkt sich den Namen, folgt vielleicht, erkennt dich wieder, wenn sie später sucht – oder reagiert sofort, wenn das Angebot passt. Die Gruppe ist groß: Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2025 nutzen 63 Prozent der Menschen ab 14 Jahren wöchentlich soziale Netzwerke.
Das erklärt, warum der Vergleich „Social oder Google“ für lokale Betriebe meist falsch gestellt ist. Die Frage ist: Welchen Moment willst du besetzen – und ist der Suchmoment nicht schon über das kostenlose Google-Unternehmensprofil zu gewinnen?
Der Vergleich im Detail
| Google Ads (Suche) | Social-Media-Anzeigen (Meta, TikTok) | |
|---|---|---|
| Erreicht | Menschen, die jetzt aktiv suchen – kaufbereit, wenige, umkämpft | Menschen, die noch nicht suchen, aber offen sind – viele, im Umkreis gezielt |
| Abrechnung | je Klick; Preise je nach Suchbegriff und Stadt, in umkämpften Leistungen mehrere Euro | je tausend Einblendungen oder je Klick; in Deutschland CPM rund 13 €, Klicks meist unter 1 € (Benchmark 2025/26) |
| Creative | Text, Erweiterungen – die Leistung muss zum Suchbegriff passen | Video, Bild, Story – muss wie Einblick wirken, nicht wie Werbung |
| Zielseite | muss exakt das beantworten, was gesucht wurde | muss das Versprechen des Videos einlösen und einen leichten Kontaktweg bieten |
| Stärke | kurze Wege zur Anfrage, hohe Abschlussquote | Reichweite bei Nicht-Suchenden, Wiedererkennung, Recruiting |
| Schwäche | kleine Zielgruppe, teure Klicks bei Wettbewerb, oft durch Google-Profil ersetzbar | längerer Weg bis zur Anfrage, Creative-Aufwand |
| Typischer Einsatz | Selbstzahler-Leistungen, Kurse, Neueröffnung, Städte mit starkem Wettbewerb | Recruiting, neue Angebote, Bekanntheit im Umkreis, Reaktivierung |
Wann Google Ads passen
- Wenn das Unternehmensprofil allein nicht reicht. In Großstädten mit zwanzig Physiopraxen im Umkreis stehen nicht alle im Local Pack. Wer für „Physiotherapie + Stadtteil“ nicht in den drei Profilen erscheint, kann den Platz darüber kaufen – solange das Profil selbst gepflegt ist, sonst verpufft der Klick. Die Grundlage steht im Ratgeber Google Unternehmensprofil optimieren.
- Für konkrete, gut bezahlte Leistungen. „Professionelle Zahnreinigung“, „Personal Training“, „Rückenkurs“, „Firmenfitness“ – Suchbegriffe mit klarer Kaufabsicht und einem Kundenwert, der Klickpreise von mehreren Euro rechtfertigt.
- Bei Neueröffnung. Bevor das Profil Bewertungen und Bekanntheit hat, kaufen Google Ads den Suchmoment für die ersten Monate.
- Nur mit passender Zielseite. Wer „Rückenkurs Mainz“ sucht und auf der Startseite landet, klickt weg. Eine Seite je beworbener Leistung ist Pflicht.
Wann Social-Media-Anzeigen passen
- Recruiting in Engpassberufen. Therapeuten, MFA, Trainer und Pflegekräfte suchen nicht aktiv – laut Stepstone sind 94 Prozent der Beschäftigten offen für einen Wechsel, aber nur ein Bruchteil liest Jobbörsen. Google Ads erreichen sie nicht, ein Video im Feed schon. Der Aufbau steht im Ratgeber Social-Recruiting-Kampagne aufbauen.
- Neue Angebote und Kurse. Niemand sucht nach einem Kurs, den er nicht kennt. Ein Video, das ihn zeigt, im Umkreis ausgespielt, schafft die Nachfrage, die Google später bedient.
- Bekanntheit im Umkreis. Wer in der Stadt wiedererkannt werden will – bevor jemand sucht –, braucht Reichweite bei Nicht-Suchenden. Das ist der Kanal dafür.
- Nur mit echtem Creative. Ein Stockfoto mit Rabatt-Sticker kostet in der Auktion mehr und bringt weniger. Ein Video aus dem Betrieb gewinnt auf beiden Seiten.
Google Ads kaufen den Moment, in dem jemand sucht. Social-Media-Anzeigen schaffen den Moment, in dem jemand anfängt zu suchen – nach dir.
Die Reihenfolge für lokale Betriebe
- 1
Zuerst: Grundlagen ohne Budget
Google-Unternehmensprofil vollständig, Bewertungsprozess, Website mit Antworten und Kontaktweg, Einblicke auf einem Social-Media-Kanal. Das gewinnt den Suchmoment in vielen Regionen ohne Anzeige – und ist die Voraussetzung dafür, dass jede Anzeige später wirkt.
- 2
Dann: Social-Media-Anzeigen für das, wonach niemand sucht
Recruiting, neue Angebote, Bekanntheit. Mit Video aus dem Betrieb, Umkreis-Targeting, kleinem Budget, wöchentlicher Auswertung. Was das kostet, steht im Ratgeber Was kostet Social-Media-Werbung?
- 3
Dann: Google Ads für das, wonach gesucht wird – wo das Profil nicht reicht
Konkrete Leistungen, Stadtteile mit starkem Wettbewerb, Neueröffnung. Eine Seite je Leistung, Klickpreise gegen Kundenwert rechnen, wöchentlich prüfen.
- 4
Beide messen – je Anfrage, nicht je Klick
Welcher Kanal bringt Anfragen, die zu Kunden werden, und zu welchem Preis? Die Frage beim Erstkontakt („Wie haben Sie uns gefunden?“) und die Auswertung je Kampagne geben die Antwort nach drei Monaten.
⚠️ Achtung
Für Heilberufe gelten in beiden Kanälen Heilmittelwerbegesetz und Berufsrecht: keine Heilungsversprechen, keine Vorher-Nachher-Darstellungen mit Gesundheitsbezug, sachliche Information. Google prüft Anzeigen für Gesundheitsleistungen zusätzlich nach eigenen Richtlinien; Meta ebenso. Was für die Arztpraxis konkret gilt, steht im Ratgeber Facebook Ads für die Arztpraxis.
Die Zahl, die beide vergleichbar macht
Weder der Klickpreis noch der CPM entscheidet, sondern der Preis je Anfrage – und der je Kunde. Ein Google-Klick für 3 Euro, der jeden fünften Klick zur Anfrage macht, kostet 15 Euro je Anfrage. Ein Social-Klick für 0,60 Euro, der jeden vierzigsten Klick zur Anfrage macht, kostet 24 Euro je Anfrage. Welcher Kanal günstiger ist, lässt sich nur mit den eigenen Zahlen sagen – und sie ändern sich mit jeder Verbesserung an Creative und Zielseite. Wie die Rechnung rückwärts vom Kundenwert funktioniert, zeigt der Ratgeber Was kostet Social-Media-Werbung?; wie beide Kanäle in die Gesamtkette passen, der Ratgeber Kunden online gewinnen.
Quellen
- BrightLocal: Local Services Ads Click Study (Anteil der Klicks auf das Local Pack)
- ARD/ZDF-Medienstudie 2025: Social Media zwischen Wachstum und Sättigung (63 % wöchentliche Nutzung)
- Stepstone: Hiring Trends Update Frühling/Sommer 2026 (94 % grundsätzlich offen für berufliche Veränderung)
- Meta-Ads-Benchmarks Deutschland laut Auswertung superads.ai