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Kurzfristig Mitarbeiter finden: Zeitarbeit oder Festanstellung?

Von Max Schneider21. August 2026ca. 8 Min. Lesezeitkurzfristig mitarbeiter finden
Kurzfristig Mitarbeiter finden: Zeitarbeit oder Festanstellung?

Kurzantwort

Wenn eine Stelle sofort besetzt werden muss – Kündigung, Krankheit, Elternzeit, plötzliches Wachstum –, gibt es zwei Aufgaben gleichzeitig: die Lücke überbrücken und die feste Stelle richtig besetzen. Wer beides vermischt, stellt unter Druck die falsche Person ein oder zahlt monatelang Zeitarbeit. Dieser Artikel vergleicht die fünf Wege, kurzfristig Mitarbeiter zu finden – Team-Umbau, Minijob und Teilzeit, Zeitarbeit, freie Kräfte, Schnell-Recruiting – nach Geschwindigkeit, Kosten und Risiko, und zeigt, wie ein Betrieb die Brücke baut, ohne das Stammteam zu verlieren. Laut Bundesagentur für Arbeit arbeiten nur noch 1,8 Prozent aller Beschäftigten in Zeitarbeit; in Engpassberufen ist sie die teuerste Brücke, aber manchmal die einzige.

Kurzfristig Personal finden heißt zwei Dinge gleichzeitig: die Lücke überbrücken – und die feste Stelle so besetzen, dass sie hält.

Erst die Frage: Brücke oder Besetzung?

Der häufigste Fehler bei kurzfristigem Personalbedarf ist, dass beide Aufgaben in einen Topf geworfen werden. Die Brücke muss schnell sein und darf teuer sein – sie endet, sobald die Stelle besetzt ist. Die Besetzung darf länger dauern, muss aber richtig sein – eine Fehlbesetzung unter Druck kostet Einarbeitung, Teamstimmung und im schlimmsten Fall die nächste Suche nach drei Monaten.

Deshalb zuerst drei Fragen:

  1. Wie lange ist die Lücke? Eine Krankheit über sechs Wochen braucht eine andere Lösung als eine Elternzeit über ein Jahr oder eine Kündigung, die dauerhaft ersetzt werden muss.
  2. Was muss zwingend abgedeckt werden – und was kann warten? Nicht jede Behandlung, jeder Kurs, jede Tour ist gleich dringend. Wer priorisiert, braucht oft weniger Ersatz als gedacht.
  3. Was kann das Team kurzfristig tragen – ohne zu kippen? Überstunden über Wochen sind keine Brücke, sondern der Anfang der nächsten Kündigung. Fluktuation erzeugt Fluktuation.

Mit den Antworten wird aus „Wir brauchen sofort jemanden“ ein konkreter Bedarf: 20 Stunden Physiotherapie für acht Wochen, eine Tour am Vormittag bis zur Neubesetzung, zwei Kurse pro Woche bis zum Quartalsende. Den konkreten Bedarf kann man decken. Den diffusen nicht.

Fünf Wege, kurzfristig Mitarbeiter zu finden

1. Team-Umbau: die schnellste Brücke

Bevor jemand von außen kommt, lohnt der Blick nach innen: Teilzeitkräfte, die befristet aufstocken würden – oft gegen einen Zuschlag oder Freizeitausgleich später. Minijobber, deren Stunden sich vorübergehend erweitern lassen. Aufgaben, die die Inhaberin selbst übernimmt, während sie Verwaltung abgibt. Termine, die verschoben statt abgesagt werden.

  • Geschwindigkeit: sofort
  • Kosten: Zuschläge, Ausgleich
  • Risiko: Überlastung, wenn die Brücke zu lang wird – klare Befristung ist Pflicht

2. Minijob, Teilzeit und Berufsrückkehrer

Die zweite Welle: Menschen, die nicht Vollzeit wollen, aber kurzfristig verfügbar sind. Therapeutinnen in Elternzeit, die zehn Stunden übernehmen würden. Trainer, die nebenberuflich Kurse geben. Pflegekräfte, die aus dem Beruf ausgestiegen sind und eine feste Vormittagstour annehmen würden. Diese Gruppe liest keine Jobbörsen – sie wird über das Team, über Social Media und über den Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit erreicht.

  • Geschwindigkeit: Tage bis wenige Wochen
  • Kosten: reguläres Gehalt, oft günstiger als jede externe Lösung
  • Risiko: gering – häufig wird aus der Brücke eine dauerhafte Teilzeitstelle

3. Zeitarbeit: teuer, aber planbar

1,8 %aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland arbeiteten im Juni 2025 in Zeitarbeit – 622.000 Menschen, nach kontinuierlichen Rückgängen in den letzten Jahren (Bundesagentur für Arbeit)

Ein Personaldienstleister überlässt dir eine qualifizierte Kraft für einen befristeten Zeitraum; die Person bleibt beim Verleiher angestellt, du zahlst einen Stundenverrechnungssatz. In Engpassberufen – Pflege, Physiotherapie, MFA – gibt es spezialisierte Verleiher, die tatsächlich kurzfristig liefern können. Der Preis: Der Verrechnungssatz enthält Lohn, Sozialabgaben, Ausfallzeiten, Verwaltung und Marge und liegt deutlich über den Stundenkosten einer eigenen Kraft. Wer die Zeitarbeitskraft später übernehmen will, zahlt meist eine Vermittlungsgebühr.

In der Pflege kommt eine Besonderheit dazu: Seit 2020 werden Kosten für Leiharbeit nur bis zum Tariflohn refinanziert, Vermittlungsentgelte gar nicht. Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnet entsprechend einen Rückgang der Leiharbeit gerade in Gesundheits- und Pflegeberufen.

  • Geschwindigkeit: Tage bis wenige Wochen, je nach Beruf und Region
  • Kosten: hoch, je Stunde; Vermittlungsgebühr bei Übernahme
  • Risiko: Unruhe im Stammteam (wechselnde Kräfte, Einarbeitung, teils höhere Stundenlöhne der Leihkräfte), keine Bindung

4. Freie Kräfte auf Honorarbasis

Selbstständige Therapeuten, freie Trainer, Honorarkräfte für Kurse: In Fitness und Therapie verbreitet, kurzfristig oft verfügbar. Die rechtliche Grenze ist die Scheinselbstständigkeit – wer weisungsgebunden im Praxisbetrieb mitarbeitet wie eine Angestellte, ist keine freie Kraft. Für klar abgegrenzte Leistungen (ein Kurs, ein Schwerpunkt, Vertretung an festen Tagen mit eigener Gestaltung) ist das Modell tragfähig.

  • Geschwindigkeit: Tage, wenn das Netzwerk steht
  • Kosten: Honorar, meist über dem Stundenlohn, aber ohne Arbeitgeberanteile
  • Risiko: Scheinselbstständigkeit – Statusfeststellung im Zweifel vorab klären

5. Schnell-Recruiting für die feste Stelle

Die dauerhafte Lösung, parallel gestartet, nicht danach. Schnell heißt hier nicht hektisch, sondern: alle Hürden aus dem Prozess entfernen, die Wochen kosten. Das eigene Team am ersten Tag aktivieren, mit Vorlage und Prämie. Eine Kurzbewerbung mit drei Fragen statt Bewerbungsmappe. Social Media im Umkreis – echte Einblicke plus Anzeige nach Beruf und Region – statt einer Jobbörse, auf der in Engpassberufen niemand sucht. Rückruf am selben Tag, Gespräch in derselben Woche, Entscheidung kurz danach. Wie die Kanäle im Einzelnen funktionieren, zeigt der Ratgeber Bewerber finden: alle Wege im Vergleich.

  • Geschwindigkeit: abhängig vom Beruf – aber der eigene Prozess ist der Teil, den du steuerst
  • Kosten: Aufbau plus Werbebudget; bleibt für die nächste Stelle erhalten
  • Risiko: unter Druck die falsche Person einzustellen – genau dafür ist die Brücke da
Die Brücke kauft Zeit. Wer sie nicht baut, kauft stattdessen die falsche Person – und zahlt dafür länger als für jede Zeitarbeitskraft.

Die fünf Wege im Vergleich

Team-UmbauMinijob / Teilzeit / RückkehrerZeitarbeitSchnell-Recruiting (fest)
GeschwindigkeitsofortTage bis WochenTage bis Wochenabhängig vom Beruf, Prozess steuerbar
KostenZuschläge, Ausgleichreguläres Gehalthoher Verrechnungssatz + ggf. VermittlungsgebührAufbau + Budget, bleibt erhalten
Bindung an den Betriebhoch – bestehendes Teamhoch – oft dauerhaftkeinehoch
RisikoÜberlastung bei langer BrückegeringUnruhe im Team, Kosten über MonateFehlbesetzung unter Druck
Rolleerste Brücke, befristetzweite Brücke, oft DauerlösungNotbrücke für Fachkräftedie eigentliche Lösung, parallel starten

Der Ablauf in der ersten Woche

  1. 1

    Tag 1: Bedarf konkret machen

    Welche Stunden, welche Leistungen, wie lange? Was kann warten, was nicht? Daraus entsteht ein Bedarf in Stunden und Wochen statt „Wir brauchen jemanden“.

  2. 2

    Tag 1: Team aktivieren – doppelt

    Erstens: Wer kann befristet aufstocken, und zu welchen Bedingungen? Zweitens: Wer kennt jemanden? Vorlage zum Weiterleiten, Prämie, konkrete Bitte an jede Person.

  3. 3

    Tag 2: Brücke festlegen

    Reicht der Team-Umbau für den Zeitraum? Wenn nicht: Rückkehrer und Teilzeit über Netzwerk und Agentur für Arbeit anfragen, parallel ein bis zwei spezialisierte Zeitarbeitsanbieter um Angebot bitten – mit Stundensatz, Verfügbarkeit und Übernahmeregelung schriftlich.

  4. 4

    Tag 2–3: Schnell-Recruiting starten

    Stelle auf der eigenen Website mit Kurzbewerbung, erster Social-Media-Beitrag mit echtem Einblick, Anzeige im Umkreis nach Beruf. Eine Person ist zuständig für Rückrufe am selben Tag.

  5. 5

    Woche 1: Entscheiden, nicht hoffen

    Brücke steht, feste Stelle läuft, Team weiß, bis wann die Belastung dauert und was der Ausgleich ist. Wer das kommuniziert, verliert in der Lücke niemanden zusätzlich.

⚠️  Achtung

Überstunden über Wochen ohne Enddatum sind keine Brücke, sondern der häufigste Auslöser für die nächste Kündigung – und dann fehlen zwei Leute statt einer. Jede interne Lösung braucht eine Befristung, einen Ausgleich und eine ehrliche Ansage, was passiert, wenn die Stelle bis dahin nicht besetzt ist.

Was die Lücke kostet – und warum das die Entscheidung erleichtert

Ob sich eine teure Zeitarbeitskraft lohnt, entscheidet sich an einer Zahl: Was kostet dich die Lücke pro Woche? Ausgefallene Behandlungen oder Kurse, abgewiesene Patienten oder Mitglieder, Überstundenzuschläge, das Risiko weiterer Abgänge. In der Physiotherapie bleibt eine klassisch ausgeschriebene Stelle laut Bundesagentur für Arbeit im Schnitt rund 280 Tage offen – gegen diese Zahl ist fast jede Brücke günstig. Für Physiopraxen haben wir die Rechnung im Ratgeber Unbesetzte Physio-Stelle: Was sie dich wirklich kostet aufgestellt; mit dem Stellen-Kalkulator ermittelst du sie für deinen Betrieb in zwei Minuten.

Und der zweite Teil der Rechnung: Wer einmal ein System hat, das planbar Bewerbungen bringt, braucht beim nächsten Ausfall keine Brücke mehr, die monatelang trägt. Was Social Recruiting im Vergleich zu Jobbörse und Vermittler kostet, steht im Ratgeber Social Recruiting vs. Jobbörse vs. Personalvermittler.

Quellen

  • Bundesagentur für Arbeit: Entwicklungen in der Zeitarbeit (Statistik der BA, Stand 2025) (622.000 Leiharbeitnehmende im Juni 2025, Anteil 1,8 %; Rückgang in Gesundheits- und Pflegeberufen; Refinanzierung in der Pflege nur bis Tariflohn seit 2020)
  • Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2024 – zitiert nach physio.de (Vakanzzeit rund 280 Tage in der Physiotherapie)

Häufige Fragen

Max Schneider, Gründer von Schneider Studios

Max Schneider

Gründer · Schneider Studios

Hilft Physiopraxen, Arztpraxen, Fitnessstudios und Gesundheitsunternehmen, mit Recruiting- und Content-Systemen planbar Mitarbeiter und Kunden zu gewinnen.

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