Kurzantwort
Eine offene Physiotherapeuten-Stelle blieb 2024 in Deutschland im Schnitt rund 280 Tage unbesetzt – 2025 sogar etwa 304 Tage. Der Grund: Physiotherapie ist ein ausgewiesener Engpassberuf mit einem leer gefegten Bewerbermarkt. Diese Dauer ist aber kein Naturgesetz: Aktive Kanäle und schnelle Reaktion sprechen mehr passende Kandidaten an als eine passive Stellenanzeige. Und jeder Monat mit offener Stelle kostet dich bares Geld – überschlag es im Stellen-Kalkulator.
Wie lange dauert es, eine Physio-Stelle zu besetzen?
Kurz und ehrlich: lange. Laut der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit blieb eine offene Physiotherapie-Stelle 2024 im Schnitt rund 280 Tage unbesetzt – also fast ein Dreivierteljahr, laut physio.de zur Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit. 2025 ist dieser Wert nach aktuellen Zahlen der Bundesagentur sogar weiter gestiegen, auf etwa 304 Tage, laut bodymedia. Der Trend zeigt also in die falsche Richtung.
Das ist ein Durchschnitt über ganz Deutschland – regional schwankt die Dauer deutlich. In einzelnen Bundesländern liegt sie spürbar über dem Bundesschnitt, in anderen etwas darunter. Für dich als Praxis-Inhaber heißt das vor allem eins: Wer erst dann mit dem Suchen anfängt, wenn die Kündigung schon auf dem Tisch liegt, plant eine monatelange Lücke faktisch mit ein.
Warum dauert es so lange?
Die lange Besetzungsdauer ist kein Zufall und kein Zeichen dafür, dass du etwas falsch machst. Sie ist strukturell.
Die Physiotherapie zählt bundesweit zu den ausgewiesenen Engpassberufen – kein anderer Beruf der Kategorie Fachkräfte gilt in der Analyse der Bundesagentur als knapper. Rechnerisch kommen auf jeden arbeitslos gemeldeten Therapeuten rund 2,6 offene Stellen, laut Bundesagentur für Arbeit. Mit anderen Worten: Es gibt schlicht mehr offene Stellen als suchende Therapeuten. Ein Reservoir passender Bewerber, aus dem du einfach auswählen könntest, existiert nicht.
Dazu kommen weitere Faktoren, die den Pool zusätzlich verkleinern:
- Abwanderung aus dem Beruf. Ein erheblicher Teil der Therapeuten verlässt die Physiotherapie ganz – aus Gründen wie Bezahlung, körperlicher Belastung und fehlenden Perspektiven. Wer den Beruf verlässt, steht dir als Kandidat nicht mehr zur Verfügung.
- Hohe Teilzeitquote. Über die Hälfte der angestellten Therapeuten arbeitet in Teilzeit. Eine Vollzeit-Lücke lässt sich damit nicht immer eins zu eins schließen.
- Wachsende Konkurrenz um dieselben Köpfe. Physiotherapeuten werden heute auch von Kliniken, Reha-Zentren, Fitnessstudios und Sportvereinen umworben – nicht mehr nur von der Praxis nebenan.
Warum der Markt so eng ist und was strukturell dahintersteckt, liest du ausführlich im Beitrag zum Fachkräftemangel in der Physiotherapie 2026.
Was die Besetzungsdauer verkürzt
Jetzt die gute Nachricht: Die 280 Tage sind ein Durchschnitt über alle Suchwege – und der wird stark von Praxen nach unten und oben gezogen, die es unterschiedlich angehen. Wer nur eine Anzeige auf einem Jobportal schaltet und wartet, landet eher am oberen Ende. Wer aktiv sucht, spricht mehr passende Kandidaten an.
Die 280 Tage sind kein Naturgesetz. Sie hängen davon ab, wo du suchst – und wie schnell du reagierst, wenn sich jemand meldet.
Drei Stellschrauben, die nachweislich einen Unterschied machen – ohne dass wir dir eine konkrete Ergebnis-Zeit versprechen, denn die hängt von zu vielen Faktoren ab:
- 1
Kanal wechseln: dahin gehen, wo Therapeuten sind
Die meisten wechselwilligen Physiotherapeuten bewerben sich nicht aktiv – sie scrollen aber täglich durch Instagram und Facebook. Wer dort mit einer gezielten Kampagne sichtbar ist, erreicht auch die, die gar nicht aktiv suchen. Klassische Jobportale erreichen nur den kleinen Teil, der ohnehin gerade sucht.
- 2
Schnell reagieren: Erstantwort unter 24 Stunden
Therapeuten in gefragten Regionen haben mehrere Optionen gleichzeitig. Wer sich nach einer Anfrage tagelang Zeit lässt, ist oft schon aus dem Rennen, bevor das Gespräch überhaupt stattfand. Eine schnelle, persönliche Erstantwort ist einer der stärksten Hebel überhaupt.
- 3
Prozess kurz halten: wenige Schritte bis zum Gespräch
Lange Bewerbungsformulare und mehrere Wartestufen kosten Kandidaten. Je direkter der Weg vom ersten Kontakt zum echten Gespräch, desto weniger springen unterwegs ab.
💡 Tipp
Der Unterschied zwischen einer schnell und einer langsam besetzten Stelle liegt selten am Budget – er liegt am Kanal und am Tempo. Wie aktives Social Recruiting für Physiopraxen konkret funktioniert, zeigen wir dir Schritt für Schritt.
Was dich die lange Suche kostet
Jeder Monat mit offener Stelle ist nicht neutral – er kostet. Und zwar mehr, als das eingesparte Gehalt suggeriert: durch entgangene Patienteneinnahmen, die Mehrbelastung deines Teams und das damit steigende Risiko, dass dir auch noch gute Leute abspringen. Bei rund 280 Tagen Besetzungsdauer summiert sich dieser Schaden auf einen deutlich fünfstelligen Betrag.
Wie viel es konkret in deiner Praxis ist, hängt von deiner Größe, deinem Kassenanteil und deinem Erlös pro Behandlungseinheit ab. Genau das rechnet dir der Stellen-Kalkulator aus:
Stellen-Kalkulator
Wie viel kostet dich deine offene Stelle wirklich?
Unser Stellen-Kalkulator zeigt dir in zwei Minuten, welchen Umsatz du durch eine nicht besetzte Stelle jeden Monat verlierst.
Kosten der offenen Stelle berechnen →Was eine offene Stelle Monat für Monat wirklich kostet – und ab wann sich professionelle Unterstützung gegenüber dem Weitersuchen lohnt – liest du im Detail unter Unbesetzte Physio-Stelle: Was sie dich wirklich kostet.
Fazit: Dauer ist teilweise steuerbar
Die durchschnittlichen 280 Tage sind Realität eines engen Marktes – aber sie sind ein Durchschnitt, kein Schicksal. Du kannst nicht ändern, dass Physiotherapeuten knapp sind. Du kannst aber ändern, ob du zu den Praxen gehörst, die passiv warten, oder zu denen, die aktiv, schnell und sichtbar rekrutieren.
Wie du daraus eine planbare Mitarbeitergewinnung für deine Physiopraxis machst, ist der nächste Schritt. Und deinen konkreten Verlust durch die offene Stelle überschlägst du in zwei Minuten im Stellen-Kalkulator.