Kurzantwort
Die Vorstellung, „fast alle" Physiotherapeuten seien wechselbereit, ist so nicht belegbar. Was belegt ist: Rund zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland denken zumindest gelegentlich über einen Jobwechsel nach – und rund die Hälfte der Physiotherapeuten erwägt sogar, den Beruf ganz zu verlassen. Der entscheidende Punkt: Die meisten davon suchen nicht aktiv, sind aber offen für ein besseres Angebot. Genau diese stille Mehrheit ist dein Markt – und du erreichst sie über Social Recruiting, nicht über Jobportale.
Wie viele Physiotherapeuten sind wechselbereit?
Man liest oft, „fast alle" oder „rund 90 Prozent" der Physiotherapeuten seien wechselbereit. Das klingt griffig – ist aber in dieser Höhe nicht seriös belegbar. Schauen wir uns an, was die Daten tatsächlich hergeben, denn das Bild ist differenzierter und für dich als Praxis-Inhaber sogar nützlicher.
Zwei belegte Größen helfen weiter. Die erste betrifft Beschäftigte in Deutschland allgemein: 68 Prozent haben laut dem Hiring Trends Update von StepStone im vergangenen Halbjahr mindestens gelegentlich über einen Jobwechsel nachgedacht – Tendenz seit Jahren steigend (2023: 64 Prozent, 2021: 53 Prozent), laut Controllingportal zu StepStone. Befragt wurden dafür über 6.800 Arbeitnehmer.
Die zweite Größe betrifft speziell die Therapieberufe – und sie ist noch drastischer. In der Studie „Ich bin dann mal weg" der Hochschule Fresenius, an der rund 1.000 Therapeuten teilnahmen, hat jeder Vierte seinen Beruf bereits verlassen; bei den Physiotherapeuten sind es 25 Prozent. Und rund die Hälfte der befragten Physiotherapeuten (51 Prozent) denkt aktiv darüber nach, den Beruf zu verlassen – nur knapp jeder Dritte will auf jeden Fall in seinem Beruf weiterarbeiten, laut idw / Hochschule Fresenius.
Wichtig zur Einordnung: Diese Fresenius-Zahl misst den Wunsch, den Beruf ganz zu verlassen – ein noch stärkeres Signal als bloße Unzufriedenheit mit dem aktuellen Arbeitgeber. Wer über den kompletten Ausstieg nachdenkt, ist für einen einfachen Arbeitgeberwechsel erst recht offen, wenn die Bedingungen stimmen. Die realistische Lesart lautet also: Nicht „90 Prozent suchen einen neuen Job", sondern „eine große Mehrheit ist unzufrieden genug, um für ein besseres Angebot offen zu sein".
Der eigentliche Markt: die passiv Wechselwilligen
Hier liegt der Denkfehler vieler Praxen. Sie schalten eine Stellenanzeige und erreichen damit nur die kleine Gruppe, die gerade aktiv sucht – vielleicht ein paar Prozent zu einem beliebigen Zeitpunkt. Die viel größere Gruppe der passiv Wechselwilligen bleibt unsichtbar: Menschen, die sich nirgends bewerben, keine Jobportale durchforsten, aber sofort zuhören würden, wenn das richtige Angebot auf ihrem Bildschirm auftaucht.
Deine nächsten Mitarbeiter suchen gerade keinen Job. Sie sind nur offen – wenn du ihnen begegnest, wo sie ohnehin sind.
Diese passiv Offenen sind die entscheidende Zielgruppe, weil sie zahlenmäßig alle aktiv Suchenden weit übersteigen. Und sie haben einen weiteren Vorteil: Weil sie nicht parallel zehn Bewerbungen laufen haben, ist die Konkurrenz um sie geringer – vorausgesetzt, du erreichst sie überhaupt.
ℹ️ Hinweis
Klassische Jobportale funktionieren wie ein Aushang im Schaufenster: Sie erreichen nur, wer ohnehin schon hereinkommt. Social Recruiting funktioniert wie ein Gespräch auf der Straße – du erreichst auch die, die gerade an ganz etwas anderes gedacht haben.
Wo du die stille Mehrheit erreichst
Wechselwillige Physiotherapeuten lesen keine Stellenbörsen – aber sie scrollen täglich durch Instagram, Facebook und TikTok. Genau dort setzt Social Recruiting an: Statt zu warten, bis sich jemand bewirbt, spielst du deine Praxis als Arbeitgeber gezielt an Therapeuten in deiner Region aus. Auch an die, die gar nicht gesucht haben.
Damit das funktioniert, kommt es weniger auf das Budget an als auf drei Dinge:
- Ein ehrliches Arbeitgeber-Profil. Was macht deine Praxis als Arbeitgeber besonders – Team, Arbeitszeiten, Fortbildung, Kultur? Passiv Wechselwillige springen nur an, wenn sie einen echten Grund sehen.
- Sichtbarkeit dort, wo sie sind. Regelmäßige, authentische Präsenz auf Social Media schlägt die einmalige Anzeige. Wer dich schon kennt, meldet sich eher.
- Ein niedrigschwelliger erster Schritt. Nicht „Bewirb dich jetzt mit vollständigen Unterlagen", sondern „Lass uns unverbindlich sprechen". Für jemanden, der nicht aktiv sucht, ist die Hürde einer klassischen Bewerbung oft zu hoch.
Wie diese Kampagnen für eine Praxis konkret aufgebaut sind, liest du unter Social Recruiting für Physiopraxen. Und einen breiteren Überblick über alle Wege, neue Mitarbeiter zu finden, gibt dir der zugehörige Leitfaden.
Fazit: Nicht 90 Prozent – aber genug, wenn du sie erreichst
Die Wahrheit ist unspektakulärer als „90 Prozent aller Physiotherapeuten wollen wechseln" – und für dich trotzdem eine gute Nachricht. Der Markt der Unzufriedenen und grundsätzlich Offenen ist groß genug. Er ist nur nicht dort, wo die meisten Praxen suchen: nicht in der Stellenbörse, sondern im Feed. Wer die passiv Wechselwilligen erreicht, konkurriert mit weniger Praxen um mehr Kandidaten.
Wie du daraus eine planbare Mitarbeitergewinnung für deine Physiopraxis machst, ist der nächste Schritt.
