Kurzantwort
Stellenanzeige und Recruiting-Video sind keine Alternativen, sondern Werkzeuge für zwei Gruppen: Die Anzeige erreicht, wer sucht – in Engpassberufen wenige. Das Video erreicht, wer scrollt – die große Gruppe der Wechselbereiten, laut Stepstone 94 Prozent aller Beschäftigten. Die Anzeige kostet bei jeder Stelle erneut und zeigt Text; das Video kostet einmalig und zeigt das Team. Laut IAB waren Online-Wege inklusive sozialer Medien 2025 bei 52 Prozent der Neueinstellungen entscheidend. Dieser Vergleich zeigt, wen beide erreichen, was sie kosten, wann welches Format passt – und warum die Kombination gewinnt: Video als Hauptkanal, Anzeige als Grundabsicherung, und das Video in der Anzeige.
Zwei Werkzeuge, zwei Gruppen
Eine Stellenanzeige funktioniert wie eine Suchanfrage: Sie wird gefunden, wenn jemand sucht. In Berufen mit gesundem Bewerbermarkt reicht das. In Engpassberufen – Physiotherapie, Pflege, MFA, Trainer – konkurriert die Anzeige mit allen anderen um die wenigen, die gerade aktiv suchen, und bleibt oft wochenlang ohne Rückmeldung.
Ein Recruiting-Video funktioniert wie eine Begegnung: Es erscheint im Feed von Menschen, die nichts suchen – zwischen Freunden, Reels und Nachrichten – und zeigt in 30 Sekunden das Team, den Arbeitsplatz und einen Grund zu wechseln. Es erreicht die Gruppe, die in Engpassberufen entscheidet: die Wechselbereiten, die keine Jobbörse lesen. Laut Stepstone sind 94 Prozent der Beschäftigten grundsätzlich offen für eine Veränderung; laut Gallup sind 12 Prozent aktiv auf Jobsuche und weitere 25 Prozent offen für Neues.
Der Vergleich
| Stellenanzeige (Jobbörse) | Recruiting-Video (Social Media) | |
|---|---|---|
| Erreicht | aktiv Suchende – in Engpassberufen wenige, umkämpft | Wechselbereite im Umkreis, auch ohne Suche – die große Gruppe |
| Zeigt | Text: Aufgaben, Anforderungen, Floskeln | Menschen, Arbeitsplatz, konkrete Unterschiede |
| Kosten | je Anzeige und Laufzeit, erfolgsunabhängig – StepStone 1.449–2.499 € je 30 Tage; jedes Mal erneut | einmalig Produktion (Smartphone bis vierstellig) + Werbebudget; Video läuft über Monate |
| Kosten je Einstellung (DACH-Benchmark) | 1.800–4.500 € | 800–2.200 € |
| Bewerbungsweg | meist Lebenslauf und Anschreiben | Kurzbewerbung in zwei Minuten am Handy |
| Was bleibt | nichts – die nächste Anzeige beginnt bei null | Video, Sichtbarkeit, Bewerberpool |
| Rolle | Grundabsicherung | Hauptkanal in Engpassberufen |
Wann die Stellenanzeige reicht
Für Positionen mit Bewerbermarkt: Empfang, Verwaltung, Aushilfen, Quereinstieg. Hier gibt es aktiv Suchende, und eine gute Anzeige – Titel aus Beruf plus Ort plus Modell, Gehaltsspanne, drei konkrete Unterschiede, Kurzbewerbung – bringt Rückmeldungen. Auch hier hilft ein Video auf der Karriereseite, ist aber nicht Voraussetzung. Woran Anzeigen scheitern, wenn sie scheitern, steht im Ratgeber Keine Bewerbungen auf die Stellenanzeige?.
Wann das Video entscheidet
Für Engpassberufe. Therapeuten, Pflegekräfte, MFA und Trainer müssen erreicht werden, bevor sie suchen – und überzeugt werden von dem, was eine Anzeige nicht zeigen kann: wer hier arbeitet, wie es aussieht, was anders ist. Das Video ist dafür das Format, weil es in der Auktion der Plattformen günstiger ausgespielt wird als ein Werbebild, weil es im Feed stoppt und weil es in 30 Sekunden mehr sagt als drei Absätze Text. Wie es aufgebaut ist, steht im Ratgeber Recruiting-Video erstellen; wie die Kampagne darum herum entsteht, im Ratgeber Social-Recruiting-Kampagne aufbauen.
Die Stellenanzeige sagt, was die Stelle verlangt. Das Video zeigt, warum man sie will. In Engpassberufen gewinnt, wer die zweite Frage beantwortet.
Die Kombination, die gewinnt
- 1
Video drehen – einmal, mit allen Formaten
Ein Hauptvideo von 60 bis 90 Sekunden für die Karriereseite, daraus Kurzschnitte von 15 bis 30 Sekunden für Anzeigen und Reels. Hochformat, Untertitel, Team statt Chef, ein konkreter Unterschied, ein nächster Schritt.
- 2
Video in die Anzeige und die Karriereseite
Link in der Jobbörsen-Anzeige, Video oben auf der Stellenseite, Video im Google-Profil. Wer über die Anzeige kommt, sieht das Team, bevor er sich bewirbt – die Bewerbungsquote steigt auch bei aktiv Suchenden.
- 3
Video als Anzeige im Umkreis
Auf Instagram, Facebook und TikTok, gezielt nach Beruf und Region, mit Kurzbewerbung als Ziel. Das ist der Weg zu den Wechselbereiten, die keine Jobbörse lesen.
- 4
Anzeige als Grundabsicherung
Kostenlos bei der Arbeitsagentur und auf Indeed, ggf. im Fachportal – für die wenigen aktiv Suchenden. Nicht verlängern, wenn nichts kommt, sondern an den Zahlen prüfen.
- 5
Beides messen – je Einstellung
Woher kamen Bewerbungen, Gespräche, Einstellungen? Nach drei Stellen weißt du, welches Werkzeug bei dir welche Gruppe bringt – und wo das Budget hingehört.
💡 Tipp
Der günstigste Einstieg ist nicht die Kampagne, sondern das Video in der bestehenden Anzeige: Wer heute schon auf Jobbörsen inseriert, verliert dort Bewerber, weil die Anzeige nichts zeigt. Ein 60-Sekunden-Video auf der Karriereseite, verlinkt aus jeder Anzeige, ist der erste Schritt – und die Grundlage für alles, was danach im Feed läuft.
Was beide kosten – ehrlich gerechnet
Die Stellenanzeige wirkt günstig, weil sie je Versuch abgerechnet wird: 1.449 Euro für 30 Tage StepStone Pro, kostenlos bei Indeed und Arbeitsagentur. Je Einstellung gerechnet – mit den Versuchen, die nichts brachten, und der Zeit, in der die Stelle offen blieb – liegt sie laut DACH-Benchmarks bei 1.800 bis 4.500 Euro. Das Video kostet einmalig und läuft über Monate; mit Werbebudget liegt Social Recruiting bei 800 bis 2.200 Euro je Einstellung, und jede weitere Stelle wird günstiger, weil Inhalte und Sichtbarkeit bleiben. Die Gegenrechnung ist in beiden Fällen dieselbe: In der Physiotherapie bleibt eine Stelle laut Bundesagentur für Arbeit im Schnitt rund 280 Tage offen. Was das Video kostet, steht im Ratgeber Was kostet ein Recruiting-Video?; die Kanäle im Vergleich im Ratgeber Social Recruiting vs. Jobbörse vs. Personalvermittler.
Quellen
- Stepstone: Hiring Trends Update Frühling/Sommer 2026 (94 % grundsätzlich offen für berufliche Veränderung)
- Gallup: Engagement Index Deutschland 2025 (12 % aktiv auf Jobsuche, 25 % offen für Neues)
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): IAB-Stellenerhebung 1/2026 (Online-Wege bei 52 % der Neueinstellungen 2025 entscheidend)
- Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2024 – zitiert nach physio.de (2,6 offene Stellen je arbeitslosem Physiotherapeuten, Vakanzzeit rund 280 Tage)
- StepStone-Listenpreise laut personalturm.de; DACH-Benchmarks je Einstellung laut TalentBait-Auswertung